Nachversicherungsgarantien und Dynamiken in der Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte und Zahnärzte

Der Arztberuf ist ein Beruf mit hohen Einkommenschancen: Er verlangt umfangreiche Nachversicherungsgarantien und Dynamiken

Der Arztberuf ist ein Beruf mit sehr guten Einkommenschancen. Nach einem aufwendigem Studium der Medizin erfolgt in der Regel die Facharztausbildung. Hiernach steigen die Karrierechancen rapide und das Einkommen wächst sprunghaft. Deshalb ist es wichtig, dass sich auch der gestiegene Absicherungsbedarf (höhere Berufsunfähigkeitsrente) durch großzügige Nachversicherungsgarantien und Dynamikerhöhungen an den Versicherungsschutz anpassen lässt.

So ist für einen Assistenzarzt, der zu Anfang seiner beruflichen Laufbahn ein monatliches Nettoeinkommen von 2.300 Euro erhält, eine privat versicherte monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro vollkommen ausreichend.

Nicht wenige Ärzte erzielen jedoch aus ihrer Arztpraxis oder als leitende Angestellte jährliche Einkommen jenseits der 100.000 Euro und haben aufgrund von Praxis- und Eigenheimfinanzierungen und einem mit wachsendem Einkommen gestiegenen Lebensstandard einen wesentlichen höheren Absicherungsbedarf. Oft wünschen diese Ärzte dann für die Sicherung ihres Lebensstandard und ihrer laufenden Verpflichtungen monatliche Berufsunfähigkeitsrenten von 5.000 € und mehr.

Eine Höherversicherung oder ein Neuabschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist dann oftmals nicht mehr möglich, da sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat und diese Ärzte bei Antragsneuaufnahme durch die Gesundheitsprüfung des Versicherers fallen würden. Es kommt dann entweder zu Risikozuschlägen, zu Risikoausschlüssen oder gar zu einer Ablehnung des Versicherungsantrages.

Ausbaugarantien und Nachversicherungsgarantien in einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte und Zahnärzte sind oft nur ein leeres Versprechen

Um dieses Dilemma zu vermeiden, haben Versicherer Ausbaugarantien und Nachversicherungsgarantien in ihre Vertragsbedingungen ihrer Berufsunfähigkeitsversicherungen aufgenommen. Werbewirksam in Hochglanzbroschüren aufbereitet stellen sie dem versicherten Arzt oder Zahnarzt in Aussicht, die Höhe seiner Berufsunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung an ein gestiegenes Einkommensniveau unbürokratisch anpassen zu können.

Doch sind die umworbenen Ausbaugarantien und Nachversicherungsgarantien für jedermann - auch sinnvolle Optionen für Ärzte und Zahnärzte? Sind sie überhaupt sinnvoll nutzbar, wenn es darauf ankommt? Oder greifen sie gar ins Leere? Und wenn ja, gibt es für Ärzt und Zahnärzte Alternativen bei größeren Einkommenssprüngen oder anderen bedeutsamen Ereignissen ihre Berufsunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung planmäßig zu erhöhen?

Ausbaugarantien in einer Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt nützen meist nur Medizinstudenten

Hier hilft nur ein Blick in das Kleingedruckte. Sogenannte Ausbaugarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt bieten nur wenige Berufsunfähigkeitsversicherer an.

Der Vorteil von Ausbaugarantien gegenüber den Nachversicherungsgarantien ist, dass meist in den ersten fünf Vertragsjahren die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ohne dass ein Ereignis (Einkommenssprung, Karrieresprung, der Wechsel in die Selbständigkeit, Heirat etc.) eintreten muss - einmalig oder mehrmalig um monatlich 500 Euro erhöht werden kann. Ein Versicherer bietet sogar die Option an, die versicherte Berufsunfähigkeitsrente in einem Schritt auf bis 2.500 Euro erhöhen zu können, sofern dann diese erhöhte Berufsunfähigkeitsrente in einem angemessenen Verhältnis zum Einkommen steht.

Angemessenheit liegt beispielsweise vor, wenn die Höhe aller Berufsunfähigkeitsrenten nach Ausübung der Erhöhungsoption maximal 70% des Bruttoeinkommens betragen.

Ausbaugarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt sind vor allem für Medizinstudenten von Vorteil, die sich aus finanziellen Gründen während des Studiums noch keinen bedarfsgerechten Berufsunfähigkeitsschutz leisten können.

Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte darauf geachtet werden, dass die versicherte Berufsunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung möglichst auf 2.500 Euro erhöht werden kann und diese Erhöhung bei Bedarf in einem Schritt zulässig ist. Die Ausübungsoption sollte in den ersten 5. Vertragsjahren möglich sein, damit die meist finanziell enge Zeit des Medizinstudiums überbrückt werden kann.

Durch die Begrenzung auf eine monatliche Höchstrente von meist 2.500 Euro und die Altersbeschränkung auf das 35. Lebensjahr ist jedoch die Ausbaugarantie für die Absicherung höherer Berufsunfähigkeitsrenten wie sie erfolgreiche Ärzte bei größeren Gehalts- oder Karrieresprüngen oder im Falle einer Selbständigkeit benötigen, nicht ausreichend.

Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung greifen bei Ärzten und Zahnärzten oft ins Leere

Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung sollen es dem Versicherten ebenfalls ermöglichen, seinen Versicherungsschutz ohne jegliche Gesundheitsprüfung an einen gestiegenen Absicherungsbedarf anzupassen. Voraussetzung für die Anpassung ist der Eintritt bestimmter bedeutsamer Ereignisse wie beispielsweise:

  • erstmaliger Eintritt in das Berufsleben
  • höhere Einkommenssteigerungen (Gehaltssprünge von mehr als 10%)
  • Karrieresprünge
  • Wechsel in die berufliche Selbständigkeit
  • Praxisfinanzierungen
  • Eigenheimfinanzierungen
  • Heirat
  • Geburt eines Kindes
  • Scheidung

Die Nachversicherungsoption muss der versicherte Arzt oder Zahnarzt meist innerhalb einer Ausübungsfrist von 6 Monaten nach Eintritt des versicherten Ereignisses ausüben. Die Option selbst sollte bis zum 45. Lebensjahr, besser bis zum 50. Lebensjahr ausgeübt werden können.

Fast alle Berufsunfähigkeitsversicherungen für Ärzte und Zahnärzte koppeln ihre Nachversicherungsgarantien an Höchstgrenzen. So darf beispielsweise die monatliche Gesamtrente aller Berufsunfähigkeitsversicherungen bei Ausübung der Option maximal 2.500 Euro betragen und die Erhöhung je einzelnes Ereignis maximal 500 Euro.

Beispiel: Versichert beispielsweise ein 25jähriger Assistenzarzt zu Beginn seiner Tätigkeit eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro, dann könnte er eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 500 Euro bei Eintritt eines der obigen versicherten Ereignisse nachversichern. Hierdurch erhöht sich seine gesamte Berufsunfähigkeitsrente auf monatlich 2.500 Euro.

Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt werden oft durch laufende Dynamikerhöhungen wertlos

Doch diese auf den ersten Blick von den Nachversicherungsgarantien versprochene unbürokratische Erhöhung des Berufsunfähigkeitsschutzes ohne Gesundheitsprüfung bleibt den versicherten Ärzten und Zahnärzten meist verwehrt. Denn eine weitere Hürde bei vielen Berufsunfähigkeitsversicherungen für Ärzte und Zahnärzte ist, dass die Rentensteigerungen, die aus den jährlichen Beitragsdynamiken stammen, auf die Maximalgrenze von beispielsweise 2.500 Euro angerechnet werden. Und diese Höchstgrenze ist bei fast allen Ärzten und Zahnärzten überschritten, die sich zu Berufsbeginn beispielsweise mit einer monatlichen Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro versichert haben.

Beispiel: Die Berufsunfähigkeitsrente des obigen Assistenzarztes von anfangs monatlich 2.000 Euro beträgt bereits im neunten Vertragsjahr infolge der jährlichen Dynamikerhöhungen 2.609 Euro. Eine Nachversicherung ist somit nicht mehr möglich.

Tipp
Ärzte und Zahnärzte sollten vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung darauf achten, dass bei den vertraglichen Nachversicherungsgarantien Rentensteigerungen aus Dynamikerhöhungen nicht auf die Höchstgrenzen einer Nachversicherungsgarantie angerechnet werden.

Bei Vorliegen solch einer für den Versicherten vorteilhaften Nachversicherungsgarantie hätte der Assistenzarzt die Differenz von 500 Euro zwischen der ursprünglich versicherten Rente von 2.000 Euro und der Maximalrente von 2.500 Euro einmalig im Rahmen der Nachversicherungsgarantie zur Verfügung.

Berufsunfähigkeitsversicherung Arzt - Nachversicherungsgarantien ohne Beschränkung auf Höchstrenten sehen meist sehr strenge Angemessenheitsprüfungen vor

Einige Berufsunfähigkeitsversicherungen für Ärzte und Zahnärzte sehen für die Ausübung der Nachversicherungsgarantie in der Berufsunfähigkeitsversicherung keine Höchstrente vor. Dies wäre die Ideallösung. Doch trotzdem ist Vorsicht geboten. Denn die Versicherungs- oder Tarifbestimmungen dieser Versicherer sehen in der Regel sehr strenge Angemessenheitsprüfungen vor.

So ist beispielsweise eine Nachversicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherun für einen Arzt ohne Gesundheitsprüfung nur möglich, wenn die gesamten Berufsunfähigkeitsrenten maximal 60% des Bruttoeinkommens oder 70% des Nettoeinkommens betragen, wobei die Berufsunfähigkeitsrentenanwartschaften des Versorgungswerkes voll oder zur Hälfte angerechnet werden. Durch diese fiktive Anrechnung dürfte eine Nachversicherung in der Praxis oft scheitern.

Beispiel: Ein Facharzt wird zum Oberarzt befördert und erhält im Rahmen dieser Beförderung eine Gehaltserhöhung von mehr als 10%. Sein Bruttoeinkommen beträgt nunmehr monatlich 8.000 Euro.

Einkommenssteigerungen in dieser Größenordnung gelten bedingungsgemäß meist als Nachversicherungs-Ereignis. Sein monatliches Nettoeinkommen beträgt durchschnittlich 5.000 Euro, seine private Berufsunfähigkeitsversicherung weist eine versicherte Rente von monatlich 2.900 Euro aus. Die Anwartschaften auf Berufsunfähigkeitsrente an sein Versorgungswerk belaufen sich auf monatlich 2.300 Euro.

Dem Oberarzt ist bewusst, dass er aus seinem Versorgungswerk nur Leistungen bei einer vollständigen Berufsunfähigkeit zu erwarten hat und möchte wegen dieser kaum zu erfüllenden Anspruchsvoraussetzung diese Anwartschaften in seinem Berufsunfähigkeitskonzept unberücksichtigt lassen. Er wünscht seine private Berufsunfähigkeitsrente auf insgesamt monatlich 4.000 Euro aufzustocken.

Doch wie rechnet der Versicherer?
Zunächst einmal sehen seine Versicherungsbedingungen eine maximale Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente von 500 Euro je versichertem Ereignis vor. Und diese maximale Erhöhung ist zudem an eine Angemessenheitsprüfung geknüpft. Alle versicherten Berufsunfähigkeits-Renten dürfen bedingungsgemäß maximal 70% des Nettoeinkommens betragen. Berufsunfähigkeitsanwartschaften des Versorgungswerkes werden dabei zu 50% angerechnet.

Berechnung:
Angemessenheitsgrenze:

70% des Nettoeinkommen von 5.000 Euro   3.500 €
abzüglich 50% BU-Anwartschaft Versorgungswerk: - 1.050 €
maximal mögliche Absicherung   2.450 €
    
bereits versicherte Berufsunfähigkeitsrente   2.900 €

Eine Höherversicherung im Rahmen der Nachversicherungsgarantie seiner Berufsunfähigkeitsversicherung ist trotz eines Nettoeinkommens von 5.000 Euro und dem Vorliegen eines versicherten Ereignisses (10%ige Einkommenssteigerung) nicht möglich.

Berufsunfähigkeitsversicherung Arzt oder Zahnarzt
- Nachversicherunsgarantien greifen oft ins Leere


Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung greifen bei Verträgen mit höheren Berufsunfähigkeitsrenten oft ins Leere, da die mögliche Gesamtrente bei Ausübung der Nachversicherungsoption meist höchstens 2.500 Euro betragen darf. Auf diese Höchstgrenze werden zudem oft Rentensteigerungen aus laufenden Dynamikerhöhungen angerechnet. Gerade bei Ärzten, deren Einkommen im Zeitablauf stetig gestiegen ist und die deshalb an den jährlichen Dynamikerhöhungen teilgenommen haben, haben sich hierdurch schon Berufsunfähigkeitsrenten aufgebaut, die über der Nachversicherungshöchstgrenze von 2.500 Euro hinausgehen. Die vertragliche Nachversicherungsgarantie der Berufsunfähigkeitsversicherung verpufft wirkungslos.

Ärzte, Zahnärze und Medizinstudenten sollten bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung darauf achten, dass bedingungsgemäß Rentenerhöhungen aus Dynamikerhöhungen nicht auf die Nachversicherungshöchstgrenze angerechnet werden.

Versicherer, die in ihren Berufsunfähigkeitsversicherungen für einen Arzt oder Zahnarzt keine Obergrenzen in ihren Nachversicherungsgarantien vorsehen, sehen meist strenge finanzielle Angemessenheitsprüfungen unter Anrechnung der vollen oder hälftigen Berufsunfähigkeitsanwartschaften des Versorgungswerkes vor, woran eine gewünschte Höherversicherung ohne Gesundheitsprüfung regelmäßig scheitern dürfte.

Berufsunfähigkeitsversicherung Ärzte:
Hohe Beitragsdynamiken sind für Ärzte und Zahnärzte oft das wichtigste Steuerungsinstrument für hohe Berufsunfähigkeitsrenten

Es stellt sich nun die Frage, wie Ärzte und Zahnärzte schon bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherungen für einen Arzt oder Zahnarzt sicherstellen, dass sie im Rahmen ihrer Zukunftsplanung bei späteren Karrieresprüngen in Verbindung mit starken Einkommenssteigerungen diese höhere Einkommen bedarfsgerecht absichern können, ohne an den Hürden einer Gesundheitsprüfung zu scheitern.

Vertragliche Ausbaugarantien und Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung scheinen nicht geeignet, denn sie verpuffen wie oben bereits ausgeführt meist an Höchstgrenzen oder strengen Angemessenheitsprüfungen. Sind zu guter Letzt planmäßige Beitragsdynamiken das ultimative Steuerungsinstrument für hohe Berufsunfähigkeitsrenten? Und wenn ja, worauf sollten Ärzte achten?

Vertraglich vereinbarte Beitragsdynamiken in der Berufsunfähigkeitsversicherung bewirken eine jährliche Erhöhung des Beitrages und der versicherten Berufsunfähigkeitsrente in etwa gleichem Maße. Diese dynamische Anpassungsoption sollte schon deshalb nie fehlen, da Berufsunfähigkeitsversicherungen oftmals Laufzeiten von 30 oder gar 40 Jahren und mehr haben und die versicherten Berufsunfähigkeitsrenten durch die Wirkungen der Inflation im Zeitablauf stark an Kaufkraft verlieren würden.

Gerade erfolgreiche Ärzte und Zahnärzte sind deshalb auf die laufenden Dynamikerhöhungen im besonderen Maße angewiesen, denn sie haben nicht nur die Wirkungen der Inflation auszugleichen, sondern auch stärkere Einkommenssteigerungen durch mögliche Karrieresprünge. Und erfahrungsgemäß wächst der Lebensstandard, den es abzusichern gilt, mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen. Nach einer Kienbaum-Gehaltsstudie aus dem Jahre 2008 beträgt die jährliche Jahresgesamtvergütung von Oberärzten durchschnittlich 111.000 Euro und die von Chefärzten durchschnittlich 266.000 Euro.

Um diesen möglichen Begebenheiten schon bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt zu berücksichtigen, sollten Ärzte und Zahnärzte auf eine möglichst hohe Beitragsdynamik in ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung achten, die planmäßig zulässt, dass die versicherte Berufsunfähigkeitsrente jährlich ohne Gesundheitsprüfung steigt. Der Dynamiksatz sollte mindestens 5%, besser 10% betragen.

Die 10%ige Dynamik ist derzeit nur bei wenigen Versicherern über Kombiprodukte (Rentenversicherung oder Fondspolice in Verbindung mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung) möglich. Sie ist das stärkste planmäßige Steuerungsinstrument für hohe Berufsunfähigkeitsrenten und ermöglicht es dem versicherten Arzt oder Zahnarzt, bei Bedarf die Höhe seiner versicherten Berufsunfähigkeitsrente rasch nach oben anzupassen. Etwa dann, wenn zum Beispiel eine Beförderung zum Oberarzt oder Chefarzt ansteht ober absehbar ist.

Berufsunfähigkeitsversicherung Arzt oder Zahnarzt
- hoher Dynamiksatz  - aber kein Zwang zur Dynamik

Es sollte grundsätzlich kein Dynamikzwang in einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte und Zahnärzte bestehen, denn eine Beitragsdynamik von jährlich 5% und insbesondere von 10% ist langfristig nicht finanzierbar.

Es geht bei dem Einschluss dieser hohen Dynamik zunächst nur um die Sicherung eines Rechts auf künftige Dynamikerhöhung, die es dem versicherten Arzt oder Zahnarzt einseitig ermöglicht, seinen Versicherungsschutz bei Bedarf erhöhen zu können. Der Vertragsinhaber der Berufsunfähigkeitsversicherung erhält jährlich einen Dynamiknachtrag und entscheidet dann, ob er seinen Versicherungsschutz in planmäßiger Höhe erhöhen möchte oder ob er der vorgeschlagenen Dynamikerhöhung schriftlich widerspricht.

Der versicherte Arzt oder Zahnarzt sollte trotz mehrmaligen Widerspruchs sein künftiges Dynamikrecht nicht verlieren. Die meisten Dynamikbedingungen erlauben nur zweimal in Folge einen Widerspruch der Dynamik. Dies ist definitiv zu wenig, da spätestens beim dritten Widerspruch das Dynamikrecht endgültig erlöschen würde. Für künftige Erhöhungswünsche würde dann der Versicherer wieder eine Gesundheitsprüfung vorsehen.

Ärzte und Zahnärzte sollten bei der Auwahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung darauf achten, dass das Dynamikrecht nicht schon bei einer Berufsunfähigkeitsrente von beispielsweise 4.000 € erlischt

Das Dynamikrecht einer Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt sollte vertraglich nicht schon bei Erreichen einer Höchstrente von beispielsweise 2.500 € oder 4.000 € erlöschen. Dies würde dem Absicherungszweck ebenfalls entgegenlaufen und hätte zur Folge, dass die versicherte Rente in dieser Höhe eingefroren würde und eine künftig gewünschte Erhöhung des Versicherungsschutzes nur noch über einen Neuvertrag mit Gesundheitsprüfung möglich wäre.

Sichert eine Beitragsdynamik von 5% oder 10% einer Berufsunfähigkeitsversicherung dem Arzt oder Zahnarzt wirklich bedarfsgerechten Versicherungsschutz?

Doch was bringt einem Arzt eine Beitragsdynamik von 5% oder 10% in seiner Berufsunfähigkeitsversicherung. Kann er damit wirklich hohe Berufsunfähigkeitsrenten im späteren Berufsleben darstellen – zum Beispiel dann, wenn er die Karriereleiter emporsteigt oder sich als niedergelassener Arzt oder Zahnarzt selbständig macht und es hohe Einkommen abzusichern gilt? Und wie wirkt sich bei langen Laufzeiten die Inflation auf die Kaufkraft der versicherten Berufsunfähigkeitsrenten aus?


Antworten darauf soll uns das folgende Beispiel geben:

Beispiel: Zwei 27jährige Assistenzärzte versichern jeweils zeitgleich eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro. Der eine schließt einen Vertrag mit einer Beitragsdynamik von 5%, der andere einen Vertrag mit einer Beitragsdynamik von 10% ab. Beide nehmen die jährlichen Dynamikerhöhungen an.

Die Tabelle zeigt die Entwicklung der versicherten Berufsunfähigkeitsrenten in 5-Jahresschritten und weist die Höhe der dann tatsächlich erreichten Berufsunfähigkeitsrenten aus. Die jeweilige Spalte daneben weist die Rentenzahlung in heutiger Kaufkraft unter Annahme einer Inflationsrate von 2,5% aus.

 

tabelle dynamik

 

Im 15.Vertragsjahr ist die in der Berufsunfähigkeitsversicherung ursprünglich versicherte Berufsunfähigkeitsrente von mtl. 2.000 € bei dem Vertrag mit der 5%igen Beitragsdynamik auf 3.650 € gestiegen – und bei dem Vertrag mit der der 10%igen Dynamik auf stolze 6.437 €. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass die Absicherung des Vertrages mit der 10%igen Beitragsdynamik zu hoch sein könnte. Doch stimmt dies wirklich?

Nehmen wir hierzu einmal an, dass beide Assistenzärzte nach 15 Jahren zum Oberarzt befördert werden und dass sie das heutige durchschnittliche Jahreseinkommen eines Oberarztes von 111.000 € erhalten würden (Kienbaumstudie 2008). Dann erhielten die beiden unter Berücksichtigung einer 2,5%igen Gehaltssteigerung in 15 Jahren ein Jahreseinkommen von 160.671 €. Dies entspricht einem monatlichen Bruttoeinkommen von 13.389 € und einem monatlichen Nettoeinkommen von 7.858 € (Steuerklasse III.).

Wollen die beiden Oberärzte nun 80% ihres Nettoeinkommens gegen Berufsunfähigkeit absichern, benötigen sie eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 6.286 €.

Dieses Ziel erreicht nur die Berufsunfähigkeitsversicherung mit der 10%igen Beitragsdynamik, die eine monatlich versicherte Berufsunfähigkeitsrente von 6.437 € ausweist. Der Vertrag mit der 5%igen Dynamik deckt mit einer erreichten Rente von 3.650 € nur gut die Hälfte der gewünschten Absicherung ab.

Anmerkung: Bei solch langen Zeiträumen sind unbedingt die Wirkungen der Inflation zu berücksichtigen. Die tatsächlich erreichten Berufsunfähigkeitsrenten im 15. Vertragsjahr erscheinen hoch und täuschen über ihre wahre Kaufkraft hinweg. So hat die Berufsunfähigkeitsrente bei der 5%igen Dynamik von monatlich 3.650 € und bei einer Inflationsrate von 2,5% lediglich eine heutige Kaufkraft von 2.520 € und die bei der 10%igen Dynamik von 6.437 € lediglich eine von 4.445 €.

Ferner ist zu beachten, dass die Versicherer eine 10%ige Beitragsdynamik derzeit lediglich bei Berufsunfähigkeitszusatzversicherung in Kombination mit einer Rentenversicherung oder Fondspolice zulassen und die Beiträge der Hauptversicherung (Rentenversicherung oder Fondspolice) ebenfalls jährlich dynamisiert werden, also ebenfalls mit erhöht werden. Hieraus können hohe monatliche Gesamtbeiträge entstehen, die der Vertragsinhaber bei finanziellen Engpässen möglicherweise nicht mehr aufbringen kann. Deshalb ist es wichtig bei der Wahl eines solchen Berufsunfähigkeitskonzeptes den Beitrag für die im Kombiprodukt enthaltene Rentenversicherung oder Fondspolice möglichst klein zu halten und darauf zu achten, dass die Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung bei Zahlungsschwierigkeiten Überbrückungsmöglichkeiten vorsehen, die sicherstellen, dass der Versicherungsschutz in solchen Phasen erhalten bleibt.

Berufsunfähigkeitsversicherung Arzt und Zahnarzt
- eine hohe Beitragsdynamik ist das wichtigste Steuerungsinstrument für eine Erhöhung der versicherten Rente ohne Gesundheitsprüfung

Beitragsdynamiken in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt oder Zahnarzt sind oft das wichtigste Steuerungsinstrument für höhere Berufsunfähigkeitsrenten. Sie ermöglichen es dem Versicherten über längere Zeiträume hinweg, seinen Versicherungsschutz bedarfsgerecht an Inflation und stärkere Einkommensentwicklungen anzupassen - ohne sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen zu müssen.

Wer eine Karriere im Arztberuf anstrebt, sollte nach Möglichkeit eine 10%ige Beitragsdynamik - ohne Dynamikzwang - vereinbaren. Dies ist derzeit nur über Rentenversicherungen  als Hauptversicherung in Verbindung mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung möglich.

Beitragsdynamiken von 5% und darunter sind bei Berufen mit stärkeren Einkommensentwicklungen wie bei Ärzten und Zahnärzten definitiv zu wenig - insbesondere für diejenigen unter ihnen, die auf einen werthaltigen Berufsunfähigkeitsschutz nach Inflation Wert legen.

Ausbaugarantien und Nachversicherungsgarantien in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Arzt sind nach den derzeitigen Versicherungsangeboten oft nicht geeignet, den Versicherungsschutz auf höhere Berufsunfähigkeitsrenten aufzustocken, da sie regelmäßig an vertraglichen Höchstgrenzen, kleinlichen Nachversicherungsgrenzen und strengen finanziellen Angemessenheitsprüfungen unter Anrechnung der „Berufsunfähigkeits-Rentenanwartschaften des Versorgungswerkes" scheitern.

 

Weiterführende Links:

» 5 Tipps vor Abschluss BU-Versicherung Arzt und Zahnarzt  

» Arbeitsunfähigkeits-Klausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung

» Konkrete Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

» Umorganisationsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung

 » Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung

» Straftatenausschluss: Warum sämtliche Verkehrsdelikte mitversichert sein sollten

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